Hier ein netter Artikel über den Schweizer Pornostar Louisa Lamour, gefunden in der Weltwoche:
*Louisa Lamour ist Schweizer «Pornodarstellerin des Jahres» und behauptet, von Sex nicht genugzu kriegen. Frauen, die sich nicht dafür bezahlen liessen, seien «untüchtig». Die 21-Jährige spieltihre Rolle gut. Fast zu gut.
Treffpunkt ist der Kiosk beim Bahnhof Wollishofen in Zürich. Vor einer Woche zog die junge Frau, die sich Lamour nennt, aus Wetzikon in die Grossstadt. In jeder Hand trug die 21-Jährige einen Koffer. Darin lag, in Stoffbeuteln verpackt, ihr ganzer Besitz: über hundert Partykleidchen, ebenso viele Schuhe, ein paar DVDs, die sie bei der Arbeit zeigen und Titel tragen wie «Verbotene Triebe», «Tyras sinnliche Düfte», «Scharfer Sex mit geilen Puppen».
Am Kiosk tummeln sich Kinder, Rentner in Wanderausrüstung, Teenager in XL-Jeans. Louisa tippelt auf Absätzen, die sie in den Himmel heben, vorbei. Sie trägt ein knallrotes Minikleid. Am Arm baumelt ein Täschchen aus derbem Leder, in der Hand hält sie eine Plastiktüte. Ein Windstoss fährt unter das Jüplein. Schneeweisse Schenkel und hautfarbene Strapse werden sichtbar. Zwanzig Menschen im Alter von fünf bis achtzig Jahren starren dem Mädchen hinterher, das mit einem gezielten Wurf eine Red-Bull-Büchse in der Abfalltonne versenkt, rechtsumkehrt macht und lächelnd an seinem Publikum vorbeistakst. Wenig später sitzt sie im Lokal, das sich am Bahnhof Wollishofen befindet. Viel mehr Orte kennt Louisa in Zürich nicht.
Langeweile und Leere weggewischt
Sie bestellt eine Cola. Sie raucht hastig eine Zigarette. Die Fingernägel sind mit einem roséfarbenen Zackenmuster bemalt. Mager ist der Körper, winzig ihre Oberweite. Die aufgeschürften Knie hält sie artig zusammengedrückt. Glitzerstaub und ein sanfter Ausdruck liegen auf dem hübschen Mädchengesicht, das zu einem Model oder einer Anwaltssekretärin passen könnte. Die wenigen Male, als sie laut lacht, dringt unvermutet etwas Raues an die Oberfläche. Kleine Pupillen fixieren den Besuch. Nichts lenkt sie ab. Hundertzwanzig Minuten Aufmerksamkeit durch eine Einzelperson sind – als Überbrückung bis zum nächsten Event mit mehr Zuschauern – besser als nichts.
Der nächste Auftritt findet um Mitternacht statt. In einer Weinstube im Niederdorf feiert sie die Premiere ihres neusten Films, «Sex-Tour durch Zürich». Zu den bereits gezeigten Ausschnitten auf ihrer Homepage schrieb «SteilerZahn20»: «So viele blöde Leute auf einem Haufen, das tut weh. Gibt es Porno eigentlich auch mit Hirn?»
Louisa findet die Bemerkung deplatziert, ebenso, wie sie andere Kritik an ihrem Beruf nicht versteht: Pornografie sei totalitär, schreibt Ariadne von Schirach in ihrem Buch «Der Tanz um die Lust». «Was ein Mensch an Persönlichkeit und Einzigartigkeit von sich vermitteln kann, ist quasi null.» Louisa sagt: «Beim Porno geht es um Sex, und das ist viel. Oder möchte jemand wissen, was ich zum Frühstück esse?»
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Wahrscheinlich kommen heute Nacht über hundert Männer, und sie wird das schönste Kleid anziehen und lasziv auf der Bar tanzen. Fasziniert von der Faszination, die sie auslöst. Vielleicht führt sie auch eine Dildo-Show oder eine Lesben-Show vor. Beides sind Spezialitäten der laut eigenem Bekunden bisexuellen Selbstdarstellerin.
Bereits wird «Die Unersättliche» (Basler Zeitung), «Das geilste Dybli» von Basel (Sonntagszeitung), als Nachfolgerin von Laetitia bezeichnet, die vor elf Jahren als Pornoheidi Berühmtheit über die Landesgrenzen hinaus erlangte. Im Jahr 2006 gingen in der Schweiz rund zwei Millionen Porno-DVDs über die Ladentische, davon stammt etwa ein Sechstel aus heimischer Produktion.
Sie kramt in der Plastiktüte nach ihren Schätzen. Eingewickelt in einen weichen Lumber mit weissen Sternen, kommen zwei Pokale zum Vorschein. Behutsam streicht sie mit den Fingern über blauen Kunststoff und goldfarbenes Metall. Die erste Trophäe zeichnet sie als beste nationale Pornodarstellerin des Jahres aus. Die zweite als «bestes Schweizer Starlet».
Seit sie sich mit 15 ein teures Bauchnabel-Piercing wünschte und deswegen für Geld mit einem Mann in den Wald ging, findet sie Frauen, die ihre Sexpartner häufig wechseln, ohne sich dafür bezahlen zu lassen, untüchtig. Damals im Wald waren Langeweile und Leere – Dinge, die ihr Leben verdunkelten, seit sie in Winterthur ein Kind sein musste – für zwei Stunden wie weggewischt. Später bricht sie drei Lehren ab – Coiffeuse, Malerin, Verkäuferin – und schlägt sich als Gelegenheitsprostituierte durch. Jede exklusive Escortagentur hätte das unverdorben aussehende Geschöpf wohl unter Vertrag genommen. Das wollte sie nicht. In einem gehobenen Umfeld hätten ihr die Unverbindlichkeit, Häufigkeit und Rauheit gefehlt, sagt sie ernst und zupft am Kleid.
Sie heuert in verschiedenen Erotikstudios an, wechselt schliesslich in ein Basler Bordell, geht nebenbei auf den Strassenstrich. Die Frage, ob es Schulden, einen Zuhälter oder andere Zwänge gegeben habe, die ihren Einstieg ins Gewerbe befördert hätten, verneint sie. Und leichthin bestätigt sie: «Ja, bei mir ist in sexueller Hinsicht eine Schraube locker.» Zwischen siebzehn und neunzehn ist sie jedem gefügig: als Schulmädchen und Vamp, Cheerleader, Sklavin und Domina. Das Extremste, das in diesen Jahren geschieht? Einer sticht ihr sechs lange Nadeln durch die Brustwarzen. Und einmal verliebt sie sich unglücklich. «Dann wusste ich, was das Leben ist», sagt Louisa und blickt selbstbewusst.
Sex mit dem Rapper auf der Wurstplatte
Sie verbreitet zwei Versionen, wie sie zum Film kam: Ein berühmter Pornostar habe sie in Basel angesprochen und auf ein Glas Champagner eingeladen. Oder: Es kam ein Afrikaner auf einem Fahrrad angeradelt und unterbreitete ihr ein entsprechendes Angebot. Mittlerweile ist sie beim Zürcher Pornoproduzenten Peter Preissle unter Vertrag (Mascotte Film AG). Obwohl die Konkurrenz durch das Internet gross ist, boomt die Filmbranche: Es besteht Bedarf an Nachwuchstalenten.
Zahlreiche Schweizerinnen, die es im Pornogeschäft versuchen, steigen bereits nach einem oder zwei Filmen aus. Weil sie die rüden Sitten auf dem Set nicht ertragen, weil der Freund durchdreht, weil sie von wildfremden Männern erkannt und bedrängt werden. Louisa hingegen zeigt sich auch nach zwanzig Filmen noch immer sehr begeistert von den Chancen, die der Job ihr bietet. Vor zwei Monaten spielte sie in einem Musikvideo des Schweizer Rappers Gimma mit. Mitwirkende sprechen von Chaos, Verwüstung und einer Bombendrohung. Gimma habe mit der Darstellerin auf dem Set Sex gehabt. Auf einer kalten Wurstplatte. Die Crew war geschockt, Louisa sagt: «Mir hat es Spass gemacht.»
Mittlerweile wird das Endprodukt von verschiedenen Musiksendern gezeigt. Buchautorin Ariadne von Schirach spricht von «Pornopop», einer degoutanten Vermischung von Popkultur und Pornobusiness, die den Alltag von Jugendlichen zunehmend beeinflusse. Überall Mädchen, deren Kleidung ein einziges Signal aussende: «schau mich an, willst du dich nicht auch mit mir paaren?» — «Nur weil sich Mädchen so anziehen, sind sie noch lange keine Huren», findet Louisa.
Spricht sie von ihren Qualitäten als Pornodarstellerin, dann fährt Aufregung in die Kindfrau, das Gesicht rötet sich, die Augen glänzen: Nichts sei gespielt und gross ihr Drang, hell ausgeleuchtet auf dem Filmset zu agieren.
*Quelle: Weltwoche.ch









